Die ersten Schlittenhunde

Menschen und Hunde existieren seit tausenden von Jahren mit ähnlichen Bedürfnissen. Essen, soziales Miteinander, Unterkunft und gemeinsames Interesse an der Jagd dürften die beiden Spezies Mensch und Hund zueinander geführt haben.
Die Frage ob die Freundschaft zwischen Mensch und Hund mit der Unterstützung bei der Jagd oder dem Genuss der gegenseitigen Gesellschaft begann, wird wohl niemand mehr beantworten können. Eines ist klar: die sozialen Ähnlichkeiten ließen die beiden Specien im Laufe der Jahrtausende einander näherrücken.


Noch heute wird bei den Aborigines in Australien die Temperatur danach gemessen, wieviel Hunde erforderlich sind um es warm zu haben. Aus der Ein-Hundenacht im Herbst wird die Drei-Hundenacht im Winter.

Die menschliche Intelligenz und auch die der Hunde dürften die weitere Entwicklung dahin geführt haben, dass die Hunde für die Jagd und den Transport trainiert werden konnten.

In den arktischen Regionen der westlichen Hemispäre ist der Schlittenhund als „Husky“ bekannt. Diese moderne Bezeichnung entstammt einem Slangwort für „Eskimo“, welches widerum einem indianischem Wort entspricht, dessen Bedeutung „rohes Fleisch Esser“ist.

Im Norden Asiens, teilweise in Gebieten die heute Sibirien genannt werden, ein Land mit dem kältesten und brutalsten Wetterbedingungen auf der Erde, in dem der Erdboden fast übergangslos mit Schnee und Eis bedeckt ist, muss es für die dort lebenden Menschen ein riesiger Fortschritt gewesen sein, als sie ihre Hunde das erste Mal einspannten um die Jagdbeute auf dem Schlitten zum Lager zu transportieren.  Für diese Menschen, die am Rande des Überlebens standen wurde dieser Fortschritt zu einem entscheidenden Werkzeug für ihre weitere Entwicklung.
Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen, waren die nomadischen Stämme nördlich des Baikalsees im Süden Zentralsibiriens vor mehr als 4000 Jahren die ersten, die einen Hund vor den Schlitten spannten.
Jahrhunderte von Erfahrungen der Bewohner Sibiriens, den Tschuktschen (auch
Luoravetlanen genannt) und den Samojeden bescherten diesen einen hohen Kenntnisstand in der Kunst des Schlittenfahrens. Diese Stämme nutzten ihre Hunde als Partner, Wächter, Haustier, Jäger, Hütehunde für ihre Rentiere und Schlittenhunde. Mit den Schlittenhunden bekamen sie einen schnellen und zuverlässigen Transport um durch die weite und unebene Tundra und über das Schelfeis zu reisen.
Auch für die Eskimos an der alaskanischen Küste gibt es Beweise, dass sie schon ca. 1800 v. Chr. Schlittenhunde nutzten.
Der ursprüngliche Schlittenhund war im Grunde ein Jäger, der dem Menschen auf der Jagd begleitete. Hunde, welche die strengen klimatischen Bedingungen überlebten, waren groß, pelzig und hatten ein wolfsähnliches Aussehen. Ihre Physis war kraftvoll mit starkem Hals und Brust. Sein Gewicht lag bei 40-45kg und seine Größe lag zwischen 50 und 65 cm Schulterhöhe. Es sind die Vorfahren unserer heutigen nordischen Rassen. Sie hatten nicht nur einen dicken Pelz, sondern entwickelten auch Unterwolle um sich besser gegen den beißenden Wind und die bittere Kälte zu schützen. Die Ohren waren kurz und mit weichem isolierenden Fell bewachsen um den Wärmeverlust zu minimieren. Sie hatten harte und zähe Pfoten, um die weiten Strecken des gefrorenen und zerklüfteten Gebietes zu bewältigen.
Als Jäger waren die nordischen Hunde effizient. Ihnen wurde gelehrt zu bellen, wenn sie einen Elch sahen, einen Moschusochsen oder einen Polarbären zu wittern oder auch der Fährte eines Tieres zu folgen. Im Sommer dienten die Hunde auch oft als Lasttiere. In den langen Winter´n konnte der Schlittenhund am meisten für das Überleben der Menschen beitragen. Die ansteigende Mobilität durch das Ziehen der Schlitten brachte die Stämme dazu ihre Jagdgebiete und ihren Handel zu erweitern. Auch Rentiere wurden für das Ziehen von Schlitten genutzt. Hunde jedoch waren anpassungsfähiger an widrige Bedingungen und machten sie somit zu den Favoriten des Schlittenziehens.
Mensch und Hund passten so gut zusammen, dass sie wahrscheinlich zusammen über die gefrorene Behringstraße nach Nordamerika migrierten.
Im Winter waren die Eskimos sehr besorgt um das Wohlergehen ihrer Hunde und fütterten sie mit einer schon fast pedanten Regelmäßigkeit. Im Sommer sah das ganz anders aus. Die Hitze, Fliegen, Mücken und Lagerwechsel machten es für die Eskimohunde zu einer schwierigen Zeit. Es wurden keine Anstrengungen unternommen, um sie zu füttern. Manchmal  bekamen sie kleine unregelmäßige Mengen von Schlachtabfällen, um sie noch etwas zu sichern.  Der Zugang zu den Siedlungen blieb ihnen verweigert. Die Tiere waren daher im Sommer einzeln oder in Banden auf der Suche nach Nahrung weit über das Land verteilt. In harten Zeiten fraßen sie fast alles, was verfügbar war. Hungrige Hunde waren notorische Diebe, sie fraßen dann  auch mal Geschirre und Bekleidung.
Die allgemeine Veranlagung der Eskimohunde war sehr freundlich. Unter sich aber waren die Hunde sehr streitsüchtig und der kleinsten Provokation folgte der Kampf. Gewöhnlicherweise erkämpfte sich ein Hund den Weg nach „Oben“ und tyrrannisierte den Rest. War er ein guter Hund konnte er auf diesem Weg Disziplin erzwingen und war besonders wertvoll für seinen Besitzer. Andererseits machte ihn die Liebe zum Kämpfen zu einer Plage.
Jedes Jahr erblickten Welpen die Welt und noch bevor sie ein Jahr waren, hatten sie ihren Platz im Hundeteam.
6 oder 7 Jahre war für ein Eskimodog ein gutes Alter.
Ein hartes Leben? Vielleicht. Die Arktis ist nicht für seine Milde bekannt.
Dieses Leben entwickelte einen Teamhund der ein Gefühl von Verantwortung für die anderen Hunde und für seinen Fahrer gewann.
Ein erfolgreicher Schlittenhundefahrer verlangte nie mehr von seinem Team als er nicht selbst leisten konnte.
Im Gegenzug dafür bekam er Schlittenhunde die Loyalität und Kameradschaft mitbringen, die weit über die Bedürfnisse der Einheimischen für den Transport oder dem Lebensunterhalt hinausgingen.
Die erste prähistorische Kombination von einem Hund und einem Schlitten, die dem frühen Jäger und seinen Hunden half zu überleben, war der Beginn einer Tradition die auch eine weitreichende Bedeutung für Menschen außerhalb der Arktis besaß.